Geprägt von meinem Besuch am Freitag beim Moloch, den Gesprächen dort und der anzutreffende Leere hat mich dazu bestärkt, jetzt diesen Blogartikel zu schreiben.
Als Hintergrund Info: Das Moloch ist ein Club wie das Sisyphos oder der Kater gewesen und musste jetzt aufgrund Mängel, wie z.B. einem unzureichenden Schallschutz geschlossen werden. Dieses Problem ist aber nur dadurch entstanden, dass die Brachflächen auf dem das Moloch und andere Institutionen lagen, durch ihren Einfluss sehr interessant für Investoren geworden sind und sie nun dort schicke Wohnungen und Büros Hinbauen wollen. 
D.h. noch ein Club, an dem man sich frei ausleben konnte, ungestört feiern und eine Menge Inspirationen und nette Menschen finden konnte, muss schließen.
Vielleicht provoziert dich dieser Beitrag, aber das ist es mir Wert, denn er soll dich zum Nachdenken anregen.

Was kann man tun ? Was kannst du tun? 
Es gibt so viele Menschen, die sich zur Szene zählen, aber nix reißen, sondern nur jedes Wochenende feiern gehen und von dem profitieren, was andere geschaffen haben und sich dann Teil der Szene nennen.
Das regt mich total auf !
Natürlich startet jeder einmal in die Szene, jedoch sollte man, wenn man sich dann auch zum Teil der Szene zählen möchte, dieser auch etwas zurückgeben und nicht nur nehmen. 
Du musst ja keine Partys veranstalten oder dir sonst ein Bein rausreißen,  aber Kleinigkeiten wie das Unterschreiben einer Petition, die gegen das Clubsterben und für mehr Anerkennung unserer Musik und der Szene sorgt, ist doch schon mal ein sehr guter Anfang. Oder du hörst damit auf, deine Wasserflasche auf der Clubtoilette aufzufüllen und investierst somit lieber die 2 Euro in den Club, in dem du so gerne bist.
Gerade solche Clubs wie das Moloch, Sisyphos, Kater, Bar 25… sind überhaupt nicht darauf bedacht den größten Umsatz zu machen und dir dein Geld aus der Tasche zu ziehen. Ganz im Gegenteil, hier stehen das das Ausleben von Leidenschaft, das Bieten einer schönen, individuellen und freien Atmosphäre für dich und deine Freiheit und Kreativität im Vordergrund. Die Musik und das friedliche Miteinander ist das Wichtige und nicht der Kommerz.
Genau aus diesen Gründen bieten sich dann meist nur sehr günstige, deshalb auch weit abgelegene oder renovierungsbedürftige Locations für solche Vorhaben an. Diese gehören aber meist der Stadt oder der Bahn und somit ist es immer nur eine Frage der Zeit, bis Irgendjemand mit einem Plan für Wohnungen, Büros oder sonstigen Geldquellen kommt und der errichtete Club oder Institution diesem weichen muss.
Obwohl sie das schon im Vorfeld wissen, errichten sie trotzdem mit größter Liebe und Detailverliebtheit kleine Wunderwelten, in die dann Woche für Woche die Menschen nur so reinströmen, sich komplett frei fühlen und gehen lassen können. Teilweise riesige Schlagen und Einlassstops sind dabei nicht die Seltenheit.
Wenn es aber dann auf einmal darum geht, dass Hilfe gebraucht wird, sei es finanziell oder auch handwerklich, oder oder oder… Dann sind es auf einmal nur noch ganz ganz wenige, die dann da sind. Schlangestehen ist dann nicht mehr angesagt… Krank, oder?
Deshalb noch mal: Du bist Teil der Szene? Dann engagiere dich, egal wie du kannst. Aber tu etwas! Wenn du es nicht machst, haben wir Einen weniger und wir sind die Verantwortlichen für UNSERE SZENE. 
Warum schreibe ich diesen Artikel?
Ich finde es unheimlich traurig, wie viele geile Plätze, die mich sehr inspirierert haben, schließen und somit immer mehr Leben und Individualität aus den Städten verschwindet.  Alles was nicht in das Konzept des Staates passt oder keine Großraumdisko ist, wird wegradiert. 
Zusätzlich habe ich selber extreme Probleme, bezahlbare oder überhaupt gesetzlich genehmigte Locations zu finden. Selbst für Open Airs wird immer schwieriger, da die Auflagen immer mehr verschärft werden.
Was gebe ich der Szene?
Wenn du mich aktiv verfolgst, wirst du schon mein Ziel vom „artspace“ kennen und wissen, dass ich bald zusammen mit ein paar guten Freunden den Networkday veranstalte.
Das Artspace soll ebenfalls ein freier und kreativer Arbeitsplatz aber auch Ausstellungsfläche und Club werden. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, daher veranstalten wir nun zum ersten mal den Network Day, ein Treffen und Party für alle Kreativen in der Musikbranche.
Und natürlich schreibe ich hier den Blog und möchte auf meine Art und Weise von der Szene berichten und sie dir näherbringen.
Wenn wir also jetzt nicht wach werden, bleibt uns keine andere Wahl, als später in Kommerzschuppen zu tanzen!

 

 

3 Kommentare
  1. JOREK
    JOREK sagte:

    Lieber RIKKART,
    das aussterben der Clubs ist sogar ein globales Problem. Ich erinnere mich an eine Stellungnahme von „REGAL“ in der er die Techno Szene mit der hiphop Szene vergleicht. Die hiphop Musik ist vom Ghetto Status raus und auf die größten Bühnen dieser Welt gekommen. Vielleicht ist nun die Zeit gekommen, dass dies auch mit der Techno Szene passiert. Raus aus den liebevollen Clubs die nur zeitweise eine Genehmigung haben hin zu kommerziellen Geldbringenden Großraumdiskotheken bis hin zu, dass Elektronic Artists bald nur noch Konzerte in riesigen Hallen geben wo dann eine Maschinerie an Universal Konzernen hinter stehen. So wie ich es beobachte wird genau dies geschehen, da die Besucher und darunter auch wir, es provozieren. Oder wann seid ihr das letzte mal in einen Club gegangen „nur“ um euch mit Freunden zu treffen oder weil die Atmosphäre so toll dort ist? Ich merke es an mir selbst ich gehe dort hin wo ich den Artist sehen will in welchen Club der dann gerade spielt ist Nebensache.

    Antworten
  2. CODE:M
    CODE:M sagte:

    Techno ist Kultur – oder doch nur Subkultur?
    Tänzer, Clubgänger und Konsumenten sind meist das Problem, was die Szene kaputt macht. Ausgerechnet die Menschen, die wir am meisten brauchen. Das fängt schon bei diversen, bereits genannten, „Kleinigkeiten“ an – Stichwort Wasserflasche auffüllen – oder Outdoor VAs, die wegen schlechten Verhaltens von Ordnungsämtern und Beamten gekillt werden. Das ist nicht schade – nicht mal ärgerlich – sondern unverschämt.
    Und wenn dann wegen solch einem Fehlverhalten (ganz plötzlich) eine Lokalität geschlossen wird, heißt es auf einmal:“Oh nein, wie grausam! Wie konnte das bloß passieren!..“ Ihr Blender! Ich hasse jeden betroffenen dafür!
    Aber – Gott seih dank gibt es auch gute Menschen, die immer noch ehrliche Freude daran haben, dass die Szene (noch) allgegenwärtig vertreten ist.

    Irgendwann sollte sich jeder mal fragen:
    Was ist Szene? Und warum brauche ich Szene? Gibt es Szene? Oder handelt es sich nur um eine weitere Konsumgesellschaft zur Erhaltung der Wirtschaft?

    Nicht jeder denkt so tiefsinnig. Sondern lebt nur im hier und jetzt. Techno ist Familie? Dafür müsste sich jedoch einiges ändern. Denn Familie macht sich nicht kaputt, sondern ist füreinander da und spendet halt. Welticke sagt: Celebrate togetherness. Den Satz find ich vom Ansatz her gut. Nur leider fällt mir das heutzutage immer schwerer. Jeder ist für sich – Denkt an sich – und scheisst auf andere. Traurig
    Danke Rikkart, dass du dir die Zeit nimmst, kritische Themen zu behandeln. Leider wird keiner sagen, Ja stimmt, ich hab mich schlecht Verhalten und muss das ändern. Nutze die Chance, die Leute mit der richtigen Einstellung mitzunehmen und die Szene aufrecht zu halten. Mit kritischen Beiträgen – zu kritischen Themen. Guter Beitrag! Bis bald.

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