Auf eine Limo mit… Stephan Orth

Stephan orth

 

Stephan war schon in über 60 Ländern, ist durch und durch Couchsurfer und schreibt über sein Leben auf Reisen. Er ist Spiegel-Beststeller Autor und seine Bücher wurden in 10 Sprachen übersetzt.
Ich habe seine Bücher gelesen und finde ihn so inspirierend, dass ich ihn unbedingt auf eine Limo und ein paar Fragen treffen musste.

Wie kommst du zum Reisen und insbesondere zum Couchsurfing?

In den Semesterferien meines Psychologie und Journalismus Studiums in Australien besuchte ich Neuseeland und die Fiji Inseln. Die dort gewonnen Eindrücke haben mein Interesse an das Reisen und das Entdecken neuer Orte und Menschen geweckt und so wuchs auch meine Leidenschaft.

Durch einen Artikel in einem Studentenmagazin bin ich dann auf die Seite Hospitalityclub.org aufmerksam geworden. Couchsurfing gab es damals noch gar nicht, die haben sich das Konzept dort abgeguckt, aber später eine erheblich schönere, buntere Seite programmiert.Zwischenzeitlich hat es sich zu einer Sucht entwickelt die Länder und Menschen auf diese besondere Weise zu entdecken.

 

 

Stephan orth

 

 

Was bewegt dich in konfliktreiche Länder wie z.B. den Iran zu reisen?

Als Journalist sind Länder mit gewissen kulturellen oder politischen Konflikten besonders interessant. Dort treten oft ungeplante Ereignisse auf, auf dessen Suche man ja im Grunde für seine Story ist.

Zusätzlich sind die Menschen in Ländern, die weniger touristisch bekannt, sind sehr froh über Besuch aus dem Ausland und demnach besonders gastfreundlich.

Ein super Nebeneffekt dabei ist, dass man gleichzeitig mit Vorurteilen und Stereotypen aufräumen kann.

 

Wie arbeitest du bzw. wie schreibst du deine Bücher?

Ich schreibe jedes Buch in einem anderen Land, meist einer Insel. Eine Region, die ich noch nicht besucht habe und wo mich keiner stören kann.

Ich miete mir zum Schreiben immer ein Apartment auf einer Insel. Das letzte Buch ist auf La Gomera entstanden, das davor auf Paros. Nur wenn ich ganz aus dem Alltag raus bin, kann ich mich komplett auf so ein Projekt fokussieren.

Wenn ich in Hamburg bin, arbeite ich gerne in Cafés oder Zuhause.

In dieser Zeit setzte ich mich mit anderen Texten und Romanen auseinander und analysiere diese zum Beispiel in Bezug auf die Darstellung von Personen. Da kann man immer wieder etwas neues lernen.

 

 

Stephan orth

 

 

Mir gefallen deine Bilder sehr gut, vorallem die Porträts. Hast du eine Leidenschaft zur Fotografie oder bringt es das Reisen mit sich?

Die Fotografie interessiert mich sehr. Während meines Studiums habe ich auch drei Fotokurse besucht. Es ging um die Reportage-, Stilllife- und Porträtfotografie.

Auf meinen Reisen werde ich öfters von Fotografen begleitet, von denen ich dann auch immer wieder etwas Neues lernen kann.

Außerdem ist es mir sehr wichtig meine Bücher mit guten Fotos zu füllen, damit der Leser zusätzlich zu den Erzählungen im Text ein noch präziseres Bild von den Erlebnissen bekommt.

Was für eine Kamera benutzt du ?

Ich benutze eine Canon Eos 5D mit einem 24-105mm Objektiv!

Die ist aber ganz schön schwer im Gepäck, stört dich das nicht auf Reisen?

Doch auf alle Fälle, daher überlege ich mir auch schon den Umstieg auf eine Spiegellose bzw. Kompaktkamera.

 

 

Stephan orth

 

 

Hattest du schon einmal Angst auf einer deiner Reisen?

Ja, auf jeden Fall! Zum Beispiel als ich von der iranischen Polizei an der Grenze zum Irak festgenommen und ausgefragt wurde. Sie haben mein ganzes Gepäck auseinander genommen, meine Kamera mit sehr brisanten Bildern durchsucht( die sie jedoch nie gesehen haben, weil über 200 Bilder von iranischen Schmugglern auf Pferden dann doch irgendwann langweilig werden) und mich lange vernommen.

Ich wusste nicht, was passiert wäre, wenn sie diese Bilder oder meine Notizbücher gefunden hätte. Ein amerikanischer Journalist wurde nach meiner Reise festgenommen und für 18 Monate ohne juristisch eindeutige Begründung in einem iranischen Gefängnis festgehalten.

 

Würdest du sagen, dass sich deine Weltanschauung oder Lebenseinstellung durch deine Erlebnisse verändert hat ? Nimmt man von einer solchen Reise emotional etwas mit?

Ich würde behaupten ein positiveres Bild von Menschen zu haben, denn durch das viele Reisen und couchsurfen in über 30 verschiedene Länder auf dieser Welt habe ich unglaublich viele Menschen und Gastfreundlichkeit kennengelernt.

Ich habe gelernt, dass die Menschen sich nicht viel unterscheiden, egal ob jetzt im Iran oder in Deutschland. Die Träume und Ambitionen sind die selben, man seht sich nach Sicherheit, Fairness und einem guten Leben.

 

Was hat dich bewegt deinen sicheren Job für die Selbstständigkeit aufzugeben?

Ich habe für den Spiegel Online als Journalist im „Reiseressort“ gearbeitet und konnte dadurch auch gelegentlich reisen. Dies war mir aber viel zu wenig.

Ich habe mich dann dazu entschieden meine Leidenschaft auszuleben, die aus dem Reisen und dem Schreiben darüber besteht.

Nachdem Erfolg meines Buches “Couchsurfing im Iran“  habe ich den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und habe es seitdem noch keinen Tag bereut.

Hast du einen Tipp für uns?

Ich befand mich natürlich in einer besonders guten Situation, um selbstständig zu werden, weil mein Iran-Buch zu dem Zeitpunkt seit Monaten in der Bestsellerliste stand.

Schlußendlich hängt es aber von der Stärke deiner Leidenschaft und der realistischen Einschätzung deiner Kenntnisse ab. Wenn du zu 100% hinter dem stehst, was du machst und du es lebst, dann stehen die Chancen für Erfolg gut.

Natürlich muss man wissen, was für ein Leben man führen möchte. Mir persönlich ist ein interessantes Leben wichtiger als ein Leben voller Reichtum. Wenn es nicht mehr läuft, dann muss ich mir halt wieder einen Job suchen. Also ich sehe das ganz gelassen.

 

Gibt es neue Projekte?

Diesen Oktober erscheint der Bildband „Iran – Tausend und ein Widerspruch“ bei National-Geographic, eine Zusammenarbeit mit den Fotografen Mina Esfandiari und Samuel Zuder.

Material für einen zweiten Bildband ist diesen Sommer auf der Reise durch den Kaukasus mit dem Fotografen Gulliver Theis entstanden.

Wir sind dabei vier Wochen lang durch Russland, Georgien nach Aserbaidschan gereist. Dieser wird ebenfalls mit meinen Texten zu seinen Bildern bei National-Geographic veröffentlicht.

 

Zum Abschluss interessieren mich und die Leser noch deine Lieblingsreiseziele!

Es ist schwer ein Land festzumachen, weil jedes seine Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Besonders herausgestochen haben dabei die Menschen und Gastfreundlichkeit im Iran, die atemberaubende Natur in Grönland und Nepal und kulinarische Höhepunkte erlebt man in Vietnam.

 

Vielen Dank Stephan!

 

Stephan orth

 

 

 

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